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    NOK: Die Fischfauna verändert sich

    NOK: Die Fischfauna verändert sich 11.07.2006

    Meeräsche und Schnäpel statt Flussbarsch und Güster – die Fischfauna des Nord-Ostsee-Kanals verändert sich

    Vom 19. – 26. Juni diesen Jahres fand der erste Teil der fischbestandskundlichen Untersuchungen im Nord-Ostsee-Kanal statt. Eingesetzt wurde ein ca. 120 m langes Zugnetz mit einer Maschenweite von 20 mm. In der Mitte des Netzes befindet sich eine ca. 10 m lange Aussackung, der Steert, in dem sich während des Fischzugs die Fische sammeln. Dort beträgt die Maschenweite nur 10 mm. Das Netz fischt grundgängig und hat unterhalb der Grundleine noch eine kettenbeschwerte Schleppe, so dass zumindest bei sauberem Grund auch Aale gefangen werden können.

    Was der nun schon seit mehreren Jahren sehr niedrige Salzgehalt im Nord-Ostsee-Kanal und die zum Teil stark veränderten oder gar ausbleibenden Fänge schon seit längerer Zeit haben vermuten lassen, tritt zunehmend ein: die Zusammensetzung der Fischartengemeinschaft verändert sich.

    In weiten Teilen des Westabschnitts zwischen Kudensee und Breiholz ist der Salzgehalt mittlerweile so niedrig, dass er dem von Süßwasser entspricht. Früher kamen auf diesem Gewässerabschnitt Brassen und Güster sehr häufig vor. Bei den fischbestandskundlichen Untersuchungen kamen beide Arten zwar noch regelmäßig vor, doch wurden meist nur wenige und überwiegend kleine Tiere gefangen. Stattdessen hat die Anzahl der Ukelei deutlich zugenommen, was wiederum dazu geführt, dass auch der Rapfen jetzt wesentlich häufiger im Nord-Ostsee-Kanal vorkommt. Der größte von uns gefangene Rapfen hatte eine Körperlänge von knapp 70 cm und ging in der Weiche Kudensee ins Netz.

    Zander wurden zwar auch regelmäßig gefangen, doch ihre Häufigkeit entspricht noch nicht wieder der, die Ende der neunziger Jahre verzeichnet werden konnte. Offensichtlich nimmt aber das Stückgewicht der fangfähigen Zander zu. Mit dem Zugnetz wurden mehrfach Tiere von über 5 Pfund gefangen. Zander dieser Größe waren in der Vergangenheit seltener im Fang vertreten. Von Anglern auf der Weststrecke wurde uns berichtet, dass bei einem Gemeinschaftsfischen sogar ein Zander von über 12 Pfund gefangen worden ist. Wir haben dies neidvoll zur Kenntnis genommen.

    Der Aalbestand scheint sich gegenüber den letzten Jahren leicht erholt zu haben. In den Flachwasserbereichen wurden einige schöne Aale bis zu einer Körperlänge von 70 cm gefangen. Auch bei den großen Tieren handelte es sich ausschließlich um Spitzkopfaale. Nun bleibt abzuwarten, wie sich der umfangreiche Aalbesatz auf die Bestandsgröße auswirken wird. Die zurzeit noch in der Fischzuchtanlage Kemnitz verbliebenen Satzaale entwickeln sich gut. Die Tiere sind agil und zeigen ein deutliches Wachstum. Möglicherweise überschreiten die dieses Jahr eingebrachten Aale bereits 2008 das Mindestmaß.

    Plötze und Flussbarsch waren nur vereinzelt in den Fängen vertreten. Als weitere Fischarten wurden Hecht, Aland und Flunder auf der Weststrecke gefangen. Rotfeder, Schleie und Kaulbarsch fehlten ganz.

    Dies gilt überraschender Weise auch für den Karpfen. Von den ca. 10.000 im April besetzten K1 und K2 konnte kein Tier gefangen werden. Auch von dem Besatz des Vorjahres fehlt dieses Jahr jede Spur. Dies ist umso erstaunlicher, als das letztes Jahr bereits wenige Tage nach dem Besatz zahlreiche Karpfen beim Friedfischangeln gefangen worden sind. Ein Verlust der Tiere ist sehr unwahrscheinlich, da keinerlei Totfunde gemeldet sind. Ein Wegfraß durch Hechte und Zander ist aufgrund der Größe der besetzten Tiere ebenfalls weitgehend ausgeschlossen. Anzunehmen ist, das einzelne Tiere vom Kormoran erbeutet worden sind, doch insgesamt wurden seit April vergleichsweise wenig Vögel auf der Weststrecke beim Jagen gesichtet. Um den Verbleib der Karpfen zu klären, bitten wir die Angler, die im Nord-Ostsee-Kanal Karpfen mit einer Körperlänge von weniger als 45 cm gefangen haben, den Fang in der Geschäftsstelle des LSFV zu melden.

    Zwischen den Ausweichstellen Schülp und Königsförde wurden die Fänge deutlich besser. In diesem Bereich war das Wasser des Nord-Ostsee-Kanals mit einem Salzgehalt von ca. 2 – 3 ‰ brackig. Überall im Uferbereich standen riesige Schwärme kleiner Schwebgarnelen, die für fast alle Fischarten eine hervorragende Nahrungsquelle darstellen. Zander, Flussbarsche, Plötzen und Brassen hielten sich entsprechend ufernah auf und konnten in großer Zahl gefangen werden. Aale und Flundern gingen nur vereinzelt ins Netz. Während die Aale alle mit einer durchschnittlichen Länge von ca. 55 cm eine gute Größe hatten, waren die gefangenen Flundern fast alle kleiner als 20 cm und somit für den Verzehr kaum geeignet. Hierzu ist anzumerken, dass das Zugnetz natürlich auch größenselektiv gefangen hat.

    Überraschend war für uns der Fang einer Dicklippigen Meeräsche im Flachwasserbereich des Borgstedter Sees. Mit einer Körperlänge von 75 cm und einem Gewicht von fast 10 Pfund handelte es sich um ein wirklich großes Tier. Viele Autoren geben für die Dicklippige Meeräsche im mitteleuropäischen Raum eine Maximalgröße von ca. 70 cm an. Anscheinend wachsen die Meeräschen im Nord-Ostsee-Kanal sehr gut ab. In der Vergangenheit wurden vom auf der Oststrecke tätigen Berufsfischer und einigen Anglern einzelne Fänge der Meeräsche gemeldet. In diesem Jahr aber scheinen die Meeräschen häufiger als sonst im Kanal vorzukommen. In der Weiche Groß Nordsee haben wir auch noch ein zweites Tier gefangen, das mit einer Länge von 65 cm aber etwas kleiner war. Unklar ist bisher noch, in welcher Größe die Tiere erstmalig in den Nord-Ostsee-Kanal ziehen und wo sie die kalten Wintermonate verbringen. Als weitere Meeräschen-Arten kommen an Mitteleuropas Küsten noch die Dünnlippige Meeräsche und die Goldmeeräsche vor. Nach unserem Kenntnisstand ziehen diese beiden Arten aber nicht in den Nord-Ostsee-Kanal hinein.
    Bereits im Winter wurden im Audorfer See große Schwärme junger Coregonen beobachtet. Bisher waren sie nur vereinzelt oder in kleinen Trupps im Kanal aufgetreten. Es lag die Vermutung nahe, dass es sich um Ostseeschnäpel aus den in der Vergangenheit getätigten Besatzmaßnahmen im Bereich der Haaler Au handelt. Um Klarheit zu bekommen, sollen zum einen bei zukünftigen Besatz die Brütlinge markiert und zum anderen ab diesem Winter Laichfischfang an verschiedenen Stellen im Nord-Ostsee-Kanal durchgeführt werden, um festzustellen, ob und wo sich die Schnäpel selbstständig im Gewässersystem vermehren. Erste deutliche Hinweise haben wir erfreulicherweise durch die fischbestandskundlichen Untersuchungen bereits erhalten. Der erste Schnäpel wurde tatsächlich auf der Nordseite des Audorfer Sees gefangen. Es handelte sich um ein erwachsenes Tier mit einer Länge von 44 cm und einem Gewicht von 690 g. Nach einem Hinweis aus der Anglerschaft wurde dann die Suche nach jungen Schnäpeln im Bereich des Flemhuder Sees intensiviert. Und tatsächlich wurden schon beim ersten Zugnetzhol Schnäpel aus drei verschiedenen Jahrgängen gefangen. Offensichtlich befindet sich also ein Laichplatz auf den Sandgründen des Flemhuder Sees.
    Ob die erfolgreiche Reproduktion in den letzten Jahren auch eine Folge des verringerten Salzgehaltes im Nord-Ostsee-Kanal ist, bleibt noch zu klären.

    Die Ergebnisse dieser fischbestandskundlichen Untersuchungen reichen natürlich nicht aus, um die Fischartengemeinschaft des Nord-Ostsee-Kanals hinreichend beurteilen zu können. Es wurde nur das Zugnetz als Fanggerät eingesetzt und die Fischerei fand ausschließlich im Uferbereich der Ausweichstellen und sonstigen Aufweitungen des Kanalbettes statt. Zusammen mit den aktuellen Fängen der Angler und Berufsfischer deuten die Ergebnisse aber auf eine langfristige Veränderung der Fischfauna hin. Dies gilt sowohl für die zahlenmäßige Zusammensetzung als auch für die räumliche Verteilung der einzelnen Arten. Vorgänge dieser Art fanden vermutlich von jeher im Nord-Ostsee-Kanal statt. Ursache dafür ist die sich immer wieder wandelnde Hydrographie des Kanals, allen voran die Veränderung des Salzgehaltes, der maßgeblich das Vorkommen von Fischnährtieren beeinflusst.
    Im August wird der zweite Teil der diesjährigen Bestanderhebung stattfinden. In jeder Ausweichstelle sollen Stellnetze mit Maschenweiten von 10 bis 100 mm über Nacht ausgebracht werden. Sicherlich werden wir so weitere Erkenntnisse zur Beurteilung der Fischfauna gewinnen. Auf Informationen und Hilfe der Kanalangler werden wir trotzdem weiterhin angewiesen sein.

    http://www.lsfv-sh.de/news.php?newsid=198

    Schöner Rapfen aus dem Nord-Ostsee-Kanal Dicklippige Meeräsche aus dem Borgstedter See. In diesem Jahr sind die Meeräschen zahlreicher als sonst im Nord-Ostsee-Kanal und dringen relativ weit nach Westen vor.

    Rüdiger Neukamm
    Fischereibiologe und NOK-Hegemanager

  2. #2
  3. Mitglied Avatar von Holsteiner
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    AW: NOK: Die Fischfauna verändert sich

    ... dies ist eine sehr interessante Entwicklung, finde ich. Ich frage mich vor allem, aus welchen Gründen sich der Salzgehalt so verändert. Hat jemand ne Idee ?

    Letztes Jahr habe ich im NOK auch sehr überraschend einen Rapfen auf Spinner gefangen. Länge rd. 55 cm. Habe mich sehr darüber gewundert.

    Mir ist es auch aufgefallen, dass die Brassenfänge weniger und kleiner werden. Diese Entwicklung ist (leider) gerade beim Gemeinschaftsfischen zu beobachten. Barsche gehen bei mir auch deutlich seltener an den Haken.

    Ich befische hauptsächlich die Mittelstrecke.
    Am Wasser zu Hause !

  4. #3
  5. Mitglied Avatar von Holsteiner
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    AW: NOK: Die Fischfauna verändert sich

    .. hier ist noch ein Bild des Rapfens:
    Geändert von Holsteiner (16.04.10 um 19:12 Uhr)
    Am Wasser zu Hause !

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