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    Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Moin allerseits!

    Ich hab nun Urlaub und möchte ein wenig Schleswig-Holstein erkunden. Aber mindestens einmal möchte ich auch Angeln, und zwar gerne an der Treene bei Friedrichsstadt.

    Gibt es dort Stellen, an denen man relativ nah an den Fluß heranfahren und dort auch mit einem Transporter stehen kann? (ein wenig Fußweg zum Gewässer ist natürlich nicht schlimm, aber ich bin auch faul & fußlahm )

  2. #2
  3. AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Habe Dir eine PN geschrieben!

    Tipps gibt's bei Angelscheune Holger Gruhlke
    An der Chaussee 10, 25878 Drage
    Mo - Sa 09 - 18 Uhr

    Gruß
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  4. #3
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Angelurlaub an der Eider --- beinahe ein „Road-Movie“


    Kapitel 1 – Landvergnügen

    Eigentlich wollte ich im Urlaub ja noch ein paar Löcher an meinem „Joey“, einem fast 30 Jahre altem, zum „Angelmobil“ ausgebautem Mercedes-Kleintransporter, zuschweißen, meine Frau jedoch verbot es mir mit den Worten:

    „Wir haben die Karre nicht, damit Du Dich daran totarbeitest, sondern damit wir uns in und mit ihr erholen! Wir sollten mal das „Landvergnügen“ (https://landvergnuegen.com/) in Anspruch nehmen!“
    Widerspruch oder Argumentation („die Karre muss nächstes Jahr zum TÜV, und wenn ich das jetzt nicht mache….“ sind in solchem Falle sinnlos und werden mit dem Hinweis, dass es eben noch ein Jahr Zeit habe abgebügelt.

    Heimlich fasste ich den Plan, nach Friedrichsstadt zu fahren und dort zu angeln….meine Frau wusste also nichts von ihrem künftigen Glück. ;-)

    Wir fuhren also an einem Sonntag los, Richtung Ostholstein, Richtung Plön. Da wir ziemlich spontan losgefahren sind hatten wir fast gar nichts geplant. Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Wohnmobilstellplatz in Plön am Plöner See.

    Wir suchten im „Landvergnügen“ nach einem interessantem Stellplatz, auf dem wir uns morgen abend hinstellen könnten. Man sollte sich möglichst 24 Stunden vorher telefonisch bei seinen Gastgebern ankündigen---was ja auch verständlich ist, jedoch nicht immer praktikabel, um dann dort eine Nacht zu verbringen.

    „Hier, in Malente ist der Ziegenhof (https://www.ziegenhof-im-wiesengrund.de/) , eine Nutztier-Arche, die könnten wir uns ja morgen mal ansehen!“ sagte ich.

    Gesagt, getan. Am nächsten Mittag fuhren wir also auf einigen Umwegen (ich habe weder eine genaue Karte noch ein Navi noch mobiles Internet) im strömenden Regen zu besagtem Ziegenhof, in der Hoffnung, daß man uns auch ohne Voranmeldung einen Unterschlupf bieten würde.
    Nach einer knappen Stunde kamen wir dort an.

    „Tja, runter zum Platz kommt ihr – aber leider nicht wieder hoch“ sagte der freundliche Mann, der uns am Hof empfing. „bei diesem Regen ist der Platz leider nur voll Matsch und die Zufahrt ist nicht befestigt.“

    Tja, was tun? Wir blätterten wieder im „Landvergnügen“-Führer und fanden den Hof „Viehbrook“ (http://www.hof-viehbrook.de/), und es hieß keine Voranmeldung, einfach anreisen. Und Rendswühren liegt näher an der Westküste als Malente, hehehe…..
    Dort konnten wir uns einfach auf einen Parkplatz stellen, wenn wir wollten hätten wir sogar Strom und Internet kriegen können. Der Platz ist befestigt und stellt auch bei einem Wolkenbruch kein Problem dar. Ein schnuckeliger Hof, wir durften uns dort frei bewegen und konnten Ziegen, Schweine und Hühner bestaunen und streicheln und ein Zicklein fingen wir wieder ein, welches aus seinem Gehege ausgebüxt war und sich im angrenzendem Kräutergarten das Bäuchlein vollschlug.
    „Ja, das macht der öfter“ sagte der Bauer schmunzelnd, als wir ihm davon erzählten. Ein schöner, netter Hof mit unkomplizierten Leuten.

    Aber am nächsten Tag mussten wir ja weiter.


    Kapitel 2 – Friedrichsstadt


    „Schatz, warst Du schon mal in Friedrichsstadt?“ fragte ich vorsichtig an, „das ist das sogenannte Holländerstädtchen, mit alten Häusern und Grachten-----“
    „Lass uns da hin“ sagte sie nur.

    Auf der Fahrt dorthin sahen wir so manchen Fluss und See, und ich legte schon mal meinen Köder aus: „Das sieht doch wirklich nach Anglerparadies aus hier“,sagte ich so gaanz beiläufig.
    „Also gut“ sagte meine Frau, „aber ich will auch schwimmen!!“
    „Klar, das kriegen wir hin“ sagte ich.

    In der Innenstadt von Friedrichststadt liegt eine Filliale des „Angelspezi Husum“ und wir ergatterten einen Parkplatz direkt vor dem Laden. Hier war ich sicher richtig, würde Tipps und Angelerlaubnis und Köder bekommen!
    Der junge Verkäufer war sehr sympathisch, ich schätze ihn auf vielleicht Anfang zwanzig.

    „Moin! Wir sind Touristen und würden hier gerne angeln“ sagte ich.
    „Ja, moin, und wo möchten Sie denn angeln?“kam die Antwort.
    „Naja….“ sagte ich etwas zögerlich,“ in der Treene oder Eider….wir kennen uns hier ja nicht aus. Ein Platztipp, wo wir unsere Ruhe haben, uns mit nem Camper möglichst nah ans Wasser stellen können – ich bin nämlich ein wenig lauffaul---und wo wir auf Zander ansitzen können, wär schon toll!“
    „Hm….da wüsste ich schon etwas, aber ich hab dafür leider die Angelerlaubniskarten nicht.Die Eider und die Treene sind hier in ziemlich viele Gewässerstrecken unterteilt, und ich hab nur die Scheine für das Stadtgebiet Friedrichsstadt.“

    Er nannte uns unter anderem die Adresse der „Camping Oase Eider“ in Hennstedt-Horst. Nun, Campingplatz….bin ich ja eigentlich nicht so dafür, aber meine Frau sagte: „Wir sollten uns das mal für ein, zwei Tage ansehen!“
    „Ja gut,“ sagte ich, „aber Köder sollten wir uns schon mal mitnehmen!“

    Ich kaufte eine Packung Tauwürmer und ließ meine mitgebrachte Madendose füllen. Ich finde es sehr gut, das immer mehr Fachgeschäfte Maden entweder in einer Pfanddose herausgeben oder mitgebrachte Gefäße füllen, es spart doch Verpackungsmüll und es liegen nicht mehr so viele Einweg-Plastikdosen an den Gewässern herum.

    Und damit verabschiedeten wir uns vom sympathischen Verkäufer, von dem kleinen Angelladen und von Friedrichsstadt und fuhren ein paar Kilometer nach Hennstedt zum besagten Platz.


    Kapitel 3 – Der Platz

    Ich war bis dahin noch nie auf einem Campingplatz, zumindest nicht als Gast. Irgendwie haftete in meinem Kopf das Vorurteil, dann nur noch Spießer um sich zu haben, fest. Erst mal mussten wir vor einer Schranke halten und befolgten brav dem Hinweis, das man sich erst anmelden müsse. Im kleinen Häuschen neben der Schranke saß niemand.

    Wir blickten uns ein wenig um, und richtig—dort kam ein Mann herangejoggt, der uns dann sehr freundlich begrüßte.
    „Moin“ sagte ich, „ wir brauchen einen Stellplatz für zwei Nächte, und ich habe gehört, das man hier auch angeln kann?“
    „Aber freilich“ sagte der Platzwart,der,wie sich herausstellte, der Betreiber war, „da habe ich genau den richtigen Platz für Euch. Aber angeln ist hier von Land aus schlecht möglich. Aber ich kann dir ein Boot anbieten.“
    „Oooh, ein Boot“ sagte ich träumerisch.
    „Acht Euro die Stunde für das Boot“ sagte er.
    „Waaaas?? Pro STUNDE??“ Mein enttäuschtes Gesicht muss Bände gesprochen haben.
    „Aber----wenn Dir ein Ruderboot reicht---“ --- „Ruderboot reicht“ ---- „da hab ich noch ein kleines Boot liegen, das kannst Du gerne nutzen...schmeißt bei der Abreise etwas in die Kaffeekasse.“
    „Na, das ist doch ein Wort“ sagte ich erfreut und wir meldeten uns für zwei Nächte auf dem Platz an.

    Der Platz, den er uns zuwies, war wirklich komfortabel, ich konnte rückwärts an eine Art Terrasse heranfahren auf die wir Tisch und Stühle hätten stellen können, ein kleines, schmuckes Steinbecken mit Wasserhahn ermöglichte uns jederzeit Frischwasser zu nehmen, ohne die Terrasse verlassen zu müssen. Und wir hatten einen traumhaften Blick auf die Eider.

    Nachdem wir uns eingerichtet hatten wurde es Zeit, das Boot auszuprobieren. Ich erwartete nix Dolles, aber das Boot war groß genug für zwei Personen, die sich lieb haben und das Angelequipment.

    Die Riemen waren ziemlich kurz und schon etwas „angeschlagen“, aber sie erfüllten ihren Zweck voll und ganz. Einzig die Dollen waren etwas nervig, sie passten nicht so recht zu den Riemen, wenn man etwas kräftiger schlug sprang der Riemen schon mal aus der Dolle. Aber das Problem löste ich mit Gepäck-Spanngummis, mit denen ich die Riemen in den Dollen festband.



    Kapitel 4 – Hier gibt es keine Fische!
    !


    Anke und ich betrachteten die Eider.

    „Wo willst Du denn hin“ fragte sie.
    Ich deutete auf das –in Fließrichtung gesehene- linke Ufer,den Beginn einer großen Kurve. An dieser Stelle beschreibt die Eider quasi einen Halbkreis.
    „Dort dürfte es eine ziemlich steile Kante geben, das Ufer wird dort sicherlich gut unterspült. Solche Kanten sind gute Stellen für Zander“ sagte ich. „Aber erstmal müssen wir Köderfische stippen“.
    „Ich geh derweil schwimmen und treib Dir die Köderfische zu“ sagte Anke.

    Ich packte meine gute alte Stippe aus und stellte traurig fest, daß einer der mittleren Segmente zersplittert war. Glücklicherweise hatte ich noch eine billige Glasrute, schwer wie ein Gasrohr, im Auto und konnte damit stippen.

    Angefüttert und gewartet. Gewartet. Gewartet…...wo bleiben die Rotaugen?
    Jetzt weiß ich, wofür die Geräteindustrie die Gummifische erfunden hat. Nämlich für die Zanderangler, die zu doof sind sich Rotaugen zu stippen!!

    Um es kurz zu machen: Ich fing keine Rotaugen. Ich habe auch keine kleinen Barsche gesehen und überhaupt --- die Eider sieht zwar sehr fischig aus, aber offensichtlich ist da nichts drin….

    Mit diesen traurigen Gedanken stieg ich ins Boot, in dem Anke bereits wartete.
    „Keine Köderfische?“ Ihr müsst wissen, sie kann Gedanken lesen.
    „ Nee“ sagte ich, „ irgendwie hab ich gar keine Lust, rauszufahren, ist ja nichts zu holen hier.“
    „Das lass ich nicht gelten“ sagte sie, „wir haben Tauwürmer und vielleicht fangen wir damit einen Brassen, den wir in Streifen schneiden können. Wir sollten erst mal losfahren!“

    „Komisch, ist gar keine Strömung“ stellte ich beim Rudern fest, „man könnte meinen es ist Stillwasser!“
    „Hier ist Strömung“ sagte Anke, „ und nicht zu knapp! Ich bin darin geschwommen!“
    „Im Augenblick ist keine Strömung“ beharrte ich. Dann fiel mir der Sachkundeunterricht 4. Klasse ein….da war irgend etwas mit der Eider… klar, das Sperrwerk bei Eiderstedt. Und auf der Fahrt hierher hab ich auch einige Hinweise auf Schleusen gesehen….damit hatte ich dann eine Erklärung für den Wasserstillstand!

    Wir ankerten kurz hinter einem Schilfgürtel und warfen unsere Posen, bestückt mit Tauwurm, aus.
    Einen weiteren Stippversuch stellte ich nach einer halben Stunde ohne Biss-- trotz Anfütterns--- ein.

    Es fing wieder an zu strömen, die Posen wanderten und waren praktisch nicht mehr am Platz zu halten. Aber nach einer halben Stunde war dieser Spuk wieder vorbei und wir warfen erneut aus. Mittlerweile setzte die Abenddämmerung ein.

    „Anke, Du hast Biss“ sagte ich. Sie schlug an und zum Vorschein kam ein prächtiger Barsch von bestimmt 25 cm.
    Auch an meiner Angel ein Biss und ich kurbelte einen etwas größeren Barsch heran.

    Dann war wieder Ruhe. Im letzten Schein des Tages montierten wir Knicklichter , vielleicht würden wir ja noch einen Aal erwischen.
    Da, wieder Biss an Ankes Rute! Sie schlägt an und der Fisch hängt! „Das ist kein Barsch“ sagte sie, „es fühlt sich viel kräftiger an als vorhin.“
    „Dann ist es wahrscheinlich ein Aal“ sagte ich und tauchte den Kescher ins Wasser. „Führ ihn über den Kescher.“

    Im Eifer des Gefechtes ---es ist ihr erster „richtiger“ Fisch, abgesehen vom Kö-Fi-Stippen und Heringsangeln--- achtete sie nicht auf die Pose, die bereits am Spitzenring klemmte….

    Im Schein der Lampe sah den Fisch: „ Ein Zander! Und der ist maßig!!! Los, über den Kescher mit ihm!“
    Dann machte es „puff“, ich setzte noch schnell mit dem Kescher nach, ich war mir sicher, er war schon über dem Netz, aber der Fisch machte eine Rolle und tauchte in die Tiefe ab.

    Puuh…..der war sicherlich an die 65 cm lang….

    Der Haken war noch am Vorfach, er ist also regulär „ausgestiegen“. Wird wohl ein etwas lädiertes Maul haben aber ansonsten darf er unverletzt weiterleben.

    Damit beendeten wir den ersten Angeltag und kamen gerade noch rechtzeitig vor einem Unwetter im Hafen an.
    „Ich will einen Zander fangen! Ich will einen Zander fangen“ grollte Anke die gesamte Rückfahrt über, „das lass ich nicht auf mir sitzen!“



    Kapitel 5 – Theoretisch-philosophisches Angeln am Badesteg

    Den überwiegenden Teil des Tages verbrachten wir im Inneren unseres „Joeys“, der Regen trommelte unablässig und der Wind pfiff in Böen etwa 8-9.

    Unter diesen Bedingungen mit dem „Blauen Klaus“ (so heißt unser Boot inoffiziell, weil ein gewisser Klaus es mal repariert und blau angestrichen hatte) auszufahren wäre nicht nur anstrengend, sondern auch ziemlich dumm. Denn immerhin ist die Eider an dieser Stelle Bundeswasserstraße und es gilt die Seeschiffahrtsstrassenordnung.

    Ich hab davon zwar keine Ahnung, aber es wäre doch nicht ganz ungefährlich, mit einem kleinen Ruderboot Spielball von Wind und Strömung zu sein. Ja, wenn keine anderen Boote herumfahren würden, wär es nicht ganz so schlimm, denn irgendwo würde man irgend ein Ufer schon erreichen.

    Aber es dürfen auch relativ große Pötte auf der Eider schippern, und es wäre sicherlich nicht witzig einem solchen Schiff vor den Bug zu treiben. Spätestens wenn der Kapitän einen dann aus der Eider fischen sollte gäb es mächtig Ärger, fürchte ich.

    Zum späteren Abend hin flaute der Wind etwas ab und der Regen liess nach, mir war es aber immer noch nicht geheuer mit dem kleinen Boot hinauszufahren. Also angelte ich vom Badesteg des Campingplatzes aus. Anke zog es vor, trotz der gestrigen Schwüre, sich im Joey in eine Decke zu mummeln und zu lesen.

    Es war fast wie Brandungsangeln, nur mit leichterem Geschirr. Ich fing auch wieder große Barsche auf Tauwurm und einen kleinen Brassen.

    „Groß“ ist ja bei Fischen im Allgemeinen und bei Barschen im Besonderen relativ: Wenn man am ELK einen Barsch über 20 cm fängt ist es schon eine Seltenheit (jedenfalls meiner Erfahrung nach), hier an der Eider habe ich noch keinen Barsch unter 25 cm gesehen….

    Den Brassen schnitt ich in Streifen. Endlich kann ich vernünftige Köder anbieten!!!

    Warum gibt es hier keine kleinen Barsche und Rotaugen? Ganz einfach: Weil die großen Barsche und Zander die Futterfische ziemlich dezimiert haben müssen! So meine Überlegungen...und die Tatsache, daß sich ein relativ großer Zander einen Tauwurm einverleibt deutet in die gleiche Richtung: Es wird ein gewisser Mangel an Futterfisch herrschen, was natürlich nicht bedeutet, das die Raubfische scharenweise verhungern und ich mich nun der Bisse auf meine Fischfetzen kaum würde erwehren können.

    Nach Einbruch der Dunkelheit kamen keine Bisse mehr. Ich angelte noch bis 1 Uhr ohne weiteren Erfolg.



    Kapitel 6 – Verlängerung


    „So, das war die zweite Nacht“ begrüßte ich am Donnerstag morgen meine Frau. Eigentlich hatten wir auch locker geplant, uns bereits am Donnerstag zum Wutzrock-Festival ( http://www.wutzrock.de/) zu begeben. Aber weder Anke noch ich hatten derzeit Lust auf Menschenmassen, Party und laute Rockmusik, im Gegenteil, wir genossen die Stille auf dem Wasser und auf dem Campingplatz.

    „Wir könnten ja noch zwei Nächte dranhängen“ sagte Anke.
    „Einkaufen müssen wir auch, wir haben kein Brot mehr, außerdem brauch ich ne neue Stippe und Tauwürmer“ sagte ich.
    Ich ging also zur Rezeption.

    „Na, wie sieht es aus“ fragte der freundliche Betreiber, „wollen wir abrechnen?“
    „Ähem…..wir wollten gern noch zwei weitere Tage bleiben“ sagte ich.
    „Ja? Das freut mich! Ich muss nur mal schauen, ob ich den Platz nicht eventuell schon anders vergeben habe.“
    „Es wär schön, wenn wir den Platz behalten könnten, aber ich hätte auch kein Problem mich an einen anderen Platz zu stellen“ sagte ich.
    Es stellte sich heraus, das wir den Platz behalten konnten.

    Wir fuhren dann also wieder nach Friedrichstadt zum freundlichen Gerätehändler.
    „Hallo, wir sind's wieder!“
    „Oh hallo!“ Es war derselbe junge Mann wie vor zwei Tagen „wart ihr erfolgreich?“
    Wir erzählten knapp, was uns widerfahren war.
    „Ihr solltet mal tagsüber ansitzen“ sagte er. „Ich fange meine Zander am späten nachmittag bis frühen Abend so in etwa drei bis vier Metern Tiefe. Entweder mit Köderfisch oder mit Gummi.“

    Er zückte sein Smartphone und präsentierte uns ein Fangfoto, auf dem er einen wirklich schönen Zander im Arm hält.
    „Ich hab auch einen noch größeren auf Köderfisch--“ er wischte mit den Fingern auf dem Display herum, winkte dann aber ab.
    „Ja, ich glaub Dir das“ sagte ich. „ Aber--- ich brauche eine neue Stippe, meine gute alte Daiwa ist kaputt.“
    „ Ooch“ lächelte er, nun wieder ganz Verkäufer. „Woran haben Sie da gedacht?“
    Komisch. Erst Du, und beim Verkaufsgespräch wieder „Sie“… aber egal, wahrscheinlich war ihm die Sache mit dem Fangfoto persönlich, das Verkaufsgespräch jedoch professionell.
    „Ja, ne günstige Stippe von etwa 5 m Länge in der Preisklasse von 20-30 Euro.“
    „Tut mir leid“ sagte er, ich habe hier günstige Kunststoffruten für einen Zehner, oder aber hochwertigere Stücke.“
    „Was heißt „hochwertig“?“ fragte ich bange, „100 Euro und mehr?“
    „Nein, nein, ganz so teuer ist es dann doch nicht“ beruhigte er mich und zeigte mir Stippen ab etwa 60 Euro.
    Ich nahm dann zwei Ruten, eine ganz billige und die billigste von den „hochwertigen“ ;-), und beide Ruten waren vom Handling her leichter als meine gute alte „Daiwa“, die den Hechtdrill gemeistert hatte. Möglicherweise ist sie dabei eingerissen, wer weiß? Sie möge in Frieden ruhen----

    Anke und ich kauften noch etwas Kleinkram. Alles in allem hat mir der Friedrichstädter Angelladen sehr gut gefallen, Beratung und Bedienung waren sehr gut, Preise moderat, insgesamt empfehlenswert.

    Nach dem folgenden Lebensmitteleinkauf ging es wieder auf's Wasser, wieder an die gleiche Stelle wie vor zwei Tagen.
    Wieder keine Köderfische, wieder Barsche auf Tauwurm. Nach Einbruch der Dunkelheit gab es keine Bisse mehr.
    „Morgen ist die letzte Chance, noch einen Zander zu erwischen“ sagte ich.
    „Wir sollten den Tipp beherzigen und schon am frühen Nachmittag losfahren“ sagte Anke. „Ich will nen Zander!!“



    Kapitel 7 – High Noon


    Der Wetterbericht am folgenden Tag im Radio verhieß nichts gutes. „Zum Nachmittag hin Sturmböen und Regen mit Gewitter“ hieß es.

    Ein Blick zum Himmel jedoch strafte diesem Lügen. Blauer Himmel mit vereinzelten Schäfchenwolken, dazu ein laues Lüftchen von etwa Bft2- ideal am frühen Nachmittag, um mit dem „Blauen Klaus“ eine letzte Tour zu wagen.
    Die Sonne schien zur Mittagszeit auf unsere altbewährte Stelle, was ich zum Anlass nahm eine andere Stelle aufzusuchen: Nahe an unserem Hafen auf der linken Flussseite (vom Steg aus gesehen also nach rechts) im Schatten der Bäume. Ich ließ beim Herandriften an das Ufer etwa 4,5 m Ankerleine ab, um in etwa den Verlauf der Scharkante festzustellen, denn ein Echolot besitze ich nicht.

    Über etwa 4m Tiefe ankerten wir dann und brachten unsere Würmer erstmal Richtung Ufer aus, etwa 5 m vom Boot entfern. Dort war es etwa 2m tief, wie ich mit einiger Befriedigung feststellte, hieß es doch, daß wir mit unserem „Klaus“ über einem Hang lagen.
    Es tat sich eine ganze Zeitlang nichts, aber plötzlich dann endlich der ersehnte Biss. Der Fisch bescherte mir einen kleinen Tanz an der Rute; ein Barsch oder Zander war es definitiv nicht!

    Nach kurzer Zeit vor dem Kescher: „Das ist aber ein komischer Brassen“ sagte ich. Ich erkannte den Fisch nicht, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Seine After- und Schwanzflosse sah aus wie bei einem Brassen; es war definitiv ein Karpfenfisch. Aber er besaß keine Barteln und kein Rüsselmaul, also schieden Karpfen und Brassen schon mal aus. Auch war er nicht besonders hochrückig oder seitlich plattgedrückt, sondern hatte einen kräftigen Rücken. Aber es war mir egal, was es war – definitiv ein Cyprinide und von daher schon mal ein Kandidat für viele viele Fischfetzen!

    „Das muss ein Aland sein“ sagte Anke.Immerhin ist ihre Sportfischerprüfung um etwa 30 Jahre frischer als meine…..
    „Kann gut sein“ sagte ich, „aber mir egal, was es ist, ich kenne keinen Cypriniden, der zu dieser Zeit geschont ist außer der Ukelei, und dies ist definitiv keine Ukelei. Also hinweg mit ihm, wir brauchen Köder!“
    (Zu Hause fragten wir das Internet. Es bestätigte sich: Meine Frau hatte recht, mal wieder. Es war ein Aland).
    Beim Fetzen schneiden fiel sofort das orangerote, frisch duftende Fleisch auf.
    „Den will ich heute Abend probieren“ sagte Anke. Ich war skeptisch, immerhin war es karpfenartig…

    Nachdem wir unsere Angeln beködert hatten und diese dann auf 5m ausbrachten tat sich eine Weile nichts, und wir unterhielten uns. Man sollte niemals, niemals aber auch wirklich NIEMALS sich ablenken lassen beim Angeln. Ich hatte meine Posen nicht im Blick, wir konzentrierten uns aufeinander. Glücklicherweise hatte ich den Freilauf meiner Rollen eingeschaltet, sonst wäre wohl eine neue Rute und eine neue Rolle fällig gewesen. In meinem Rücken hörte ich den Freilauf surren!
    Schnell herumgedreht und die Rute gegriffen, Bügel geöffnet. Banges warten. Nimmt der Fisch noch Schnur?

    Etwa zehn Meter entfernt steigt die 6g-Pose aus dem Wasser. Bleibt an der Oberfläche. Scheiße.

    „Immerhin ein Interessent“ sagte Anke „ich denke, wir liegen hier goldrichtig!“

    Einige Minuten später saust meine zweite Pose in die Tiefe. Diesmal hatte ich aufgepasst und setze den Anhieb, ich spüre den Fisch!
    Ein Zander, auch dieser nicht gerade klein, das merkte ich an den heftigen „Kopfstößen“, die wohl jeder Zanderangler kennt. Aber dieser Kampf ist nur von kurzer Dauer, nach einigen Metern ist die Schnur schlaff.

    Was war geschehen? Hatte doch ein Hecht den Köder genommen und das Vorfach zerschnitten?
    Ich kurbelte etwas missmutig die Montage ein, Köder war noch da, aber die Hakenspitze hatte sich in das Fleisch des Fischfetzens gebohrt und konnte somit nicht zuverlässig im Zandermaul greifen. Auch hier kann man sagen: Selbst schuld, hätte ich sorgfältiger angeködert hätte ich jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach einen Zander.

    „Das ist schon interessant, das die Zander hier bei Tageslicht rauben“ sagte ich, „denn deine Pose segelt gerade davon! Du wolltest doch einen Zander, da isser!“
    „Lieber nicht zu früh freuen“ sagte Anke. „Was muss ich nun machen?“
    „Zunächst mal gibst Du etwas Schnur--- nein, nicht den Bügel schließen!!--zieh die Schnur mit den Fingern von der Rolle und lass ihn ziehen.“
    „Aber Du schlägst doch sonst immer recht früh an“ sagte Anke.
    „Dies hier ist ein Sonderfall“ sagte ich. „immerhin soll es dein erster Zander werden.Sieh! Nun hat der Fisch gestoppt und wird den Happen schlucken. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt zum Anschlag gekommen! Nimm Fühlung mit dem Fisch auf und dann setze den Anschlag---aber das muss quasi in einer Bewegung gehen, also kurbeln und sobald Du den Fisch spürst, den Anhieb setzen! Sonst lässt er den Köder unter Umständen wieder fahren---wenn er es noch kann.“

    Die Rute ist krumm, und Anke kurbelte. „Sachte, sachte“ sagte ich , „nicht zu schnell herankurbeln, erst mal sehen, was er so macht! Erst mal abschätzen. Da, eine Flucht! Schnur zieht er dabei nicht ab, aber das ist selbst bei großen Exemplaren recht selten. Ich denke, den kannst Du einfach herankurbeln --- ja da ist er, ein maßiger Zander, zieh ihn mit der Rute über den Kescher! Da gleitet er in die Maschen. Petri Heil, mein Schatz, Dein erster Zander! Ich freu mich für Dich!“
    Ich kann Euch sagen, das breite Grinsen im Gesicht meiner Frau sprach Bände….

    Am Abend aßen wir statt Barsch mal Zander und Aland. Übrigens--- der Aland hat ein wirklich feines, festes Fleisch, als Speisefisch braucht der sich nicht hinter dem Zander zu verstecken!



    The End

    Kosten für die Angelerlaubnis für die Horster Ecke:

    Pro Tag 5 Euro, Woche 10 Euro. Bei Bootsnutzung 50% Aufschlag (unter "Bootsnutzung" fällt auch das Transportieren von Equipment zu einer Stelle am Ufer, wo man sonst nicht hinkäme, um dort vom Ufer aus zu angeln, oder Bellyboat oder Kanu etc--kurz: alles, was schwimmt).
    Für den Aussteller sind 1 Euro Bearbeitungsgebühr zu entrichten, macht de facto also 16 Euro/Woche und Person.

    Üblicherweise ist der "Blaue Klaus" wohl nicht zu verleihen, das heißt, man sollte sich sein Boot mitbringen; Slipanlage ist vorhanden.


    Noch mehr Links:
    http://www.camping-eider.de/ Der Campingplatz, seit 2 Jahren unter Ulfrad Wagners Fittichen. Er hatte den Platz ziemlich heruntergekommen übernommen und erst mal gründlich entkernt, und man kann es durchaus sehen, das der Platz sich im Wiederaufbau befindet.
    Es ist angestrebt, daraus einen „Bio-Campingplatz“ zu machen und soweit wie möglich auf Chemie, Verpackungen und Plastik zu verzichten.
    Den Anfang macht eine eigene Bio-Kläranlage, Chemie im Klo ist also tabu, da sonst die Bakterien abgetötet werden und ihre Arbeit nicht mehr verrichten können.
    Mir fehlt zwar der Vergleich zu anderen Campingplätzen und kann daher keine vergleichende Wertung abgeben. Aber mich hat der Platz, der Service und der Gedanke, den die Wagners da verfolgen, überzeugt, so das ich sagen kann: man hat uns dort nicht zum letzten Mal gesehen!

    http://www.eider-treene-sorge.de/de/...e8c5ca04b19b_2
    Infos über Treene, Eider, Sorge op platt, deutsch und dansk.

    http://www.friedrichstadt.de/de/tourismus/index.php
    Geändert von Extrawurst (17.07.17 um 16:30 Uhr)

  6. #4
  7. AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Klasse Bericht, ein wenig Urlaub für einen Selbst in ein wenig Lesezeit.
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  8. #5
  9. Mitglied Avatar von Bert
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Ein wie immer genialer Bericht!!!

    Vielen Dank dafür! Ich hab ihn verschlungen und freue mich jetzt noch mehr auf meinen eigenen Urlaub!
    Gruß Bert Vielleicht bezeichnet das Wort "Ehering" auch einfach nur einen Fisch mit Elektromotor.

  10. #6
  11. Mitglied Avatar von Kanalbursche
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Moin
    Toller Bericht weiter so.

    Gruss Kanalbursche
    Angeln kann man jederzeit,es liegt halt an der Kleidung und Ausrüstung

  12. #7
  13. Mitglied Avatar von kanalflunder
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Hallo Extrawurst,

    danke für deinen tollen Bericht.

    Mit Petri Heil
    kanalflunder

    Watt wär´n wa ohne Wattwurm?
    SAV Kanalfreunde e. V. Kiel

    Der Müll muß mit !!

  14. #8
  15. Mitglied
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Schöner Bericht, Danke

  16. #9
  17. Mitglied Avatar von sprottenfan
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Moin, ein toller Bericht, der Anglerherzen berührt.
    http://www.asv-kappeln.de
    Erfolg ist hier kein Zufall

  18. #10
  19. Mitglied Avatar von Carsten Carstens
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    AW: Kurzbesuch an Eider oder Treene

    Na, da hat aber einer jetzt blutige Finger. Was für ein genialer Bericht. Wirklich super und so etwas von spannend zu lesen. Einfach nur spitze. Ihr könnt gerne noch weitere Urlaubstage planen und dann zu einem Bericht machen.
    Ich freue mich schon auf den nächsten....vielen Dank.
    Gruß Carsten

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