Quelle: Hamburger Abendblatt vom 22.09.07

Die Landwirtschaftskammer möchte Angler, Fischer und Teichwirtschaftler für das Tier interessieren. In Echem ist ein Seminar geplant.

Von Elke Schneefuß

Lüneburg -

Norddeutschlands einziger, in Gefangenschaft lebender Edelkrebs (Astacus astacus) heißt Fritz. Er hockt im Aquarium des Schulbiologischen Zentrums (Schubz) auf dem Campus der Universität Lüneburg und schaut trotz seiner gefährlich langen Scheren eigentlich ganz freundlich
drein: "Edelkrebse sind in der Gefangenschaft schwer zu halten", sagt Frank Thies aus Melbeck.

Er betreibt eine Hobbyteichwirtschaft und hat Erfahrung im Umgang mit Edelkrebsen: "Wenn es um die Nahrungsaufnahme geht, sind die Tiere heikel." Eine Mischung aus Wasserpflanzen und lebendem Futter lässt Astacus astacus sich schmecken, aber einfach zu bedienen sind seine Wünsche nicht: "Sein Fressverhalten ist nicht ausreichend erforscht. Wir wissen nicht, warum er manchmal Nahrung verschmäht", sagt Frank Thies.

In der freien Natur, in der es noch vor 150 Jahren zahlreiche Krebskolonien gab, ist die Art vom Aussterben bedroht: "Die Tiere finden heute oft keinen Lebensraum", sagt Steffen Göckemeyer, Fischereiberater der Landwirtschaftskammer in Hannover.

"Krankheiten wie die Krebs-

pest, die im 19. Jahrhundert eingeschleppt wurde, und auch das Aufkommen der Wollhandkrabbe machen dem Edelkrebs das Überleben schwer."

Um die Art vor dem Verschwinden zu bewahren, möchte die Landwirtschaftskammer jetzt Angler, Fischer und Teichwirtschafter motivieren, dem Krebs eine Chance zu geben: "Er ist eine absolute Delikatesse, doch was bei uns auf dem Tisch landet, stammt kaum aus einheimischen Gewässern. Als Zubrot in einer Teichwirtschaft wäre der Edelkrebs gut geeignet, die Nachfrage ist groß." Auskennen sollte man sich mit dem Tier allerdings, bevor man es nach Hause holt: "Der Edelkrebs mag sauberes, schlammfreies Wasser, möglichst stickstoffarm sollte es sein", weiß Frank Thies. Zu

kalt darf ihm auch nicht werden: Im Sommer braucht dasTier über 15 Grad Wassertemperatur. Wird es im Herbst kühler, rüstet der Krebs zur Paarung: "Das Weibchen betreut die Jungtiere über Monate, bei Gefahr suchen sie Schutz am Hinterleib der Mutter", erklärt Frank Thies. Älter als zwei bis drei Jahre werden die 15 Zentimeter großen Scherenträger kaum - und weil sie so selten sind, wissen heute nur noch Experten etwas über ihre Lebensweise.

Fritz dem Krebs ist das allerdings egal. So lange die Karpfen im Aquarium ihm nicht das Futter wegfressen, ist seine Laune gar nicht schlecht, auch wenn viele Besucher sich an der Scheibe die Nase platt drücken.

Die Landwirtschaftskammer Hannover führt zur Biologie und Bewirtschaftung der Edelkrebse in der Versuchsanstalt Echem in diesem Herbst ein Seminar durch. Informationen darüber gibt es auch bei Steffen Göckemeyer, Telefon 0511/36 65 14 98 oder per E-Mail unter der Adresse steffen.goeckemeyer@lwk-niedersachsen.de.