Quelle:rp-online.de vom 02.03.08

Angeln auf Königs-Lachse in BC Canada


Die Pirsch auf den King ist schon mal reine Glückssache.
Von der Jahreszeit und vom Wetter abhängig.
Und man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
An dem Tag, wo unserem Angelfreund Johännes in der Früh "Einer abgegangen und des Nachmittsgs" einer weggeflutscht war, um Mißverständnisse vorzubeugen, es handelt sich um die Jagd auf den King, dem Königslachs von der Cordero Lodge in BC Canada aus, wollten Freund Horst und ich abends noch einmal mit dem Boot zu der Erfolg versprechenden Stelle fahren, in der Hoffnung, das dann unserem Freund Albert endlich auch noch einmal das "Anglerglück" hold ist. Denn er war morgens so wie Johännes Schneider geblieben, das heißt, kein King wurde erbeutet. Als gestandener Gastronom hatte uns Albert in den vergangenen Tagen so manches Fisch- oder Krebsgericht hin gezaubert, das uns das Wasser im Munde zusammen lief. Und durch seine Koch-Kunst-Tätigkeit hatte er
so manche Ausfahrt zu den guten Fanggründen versäumt.

Wir haben schnell die Stelle im Meat Hole erreicht, wo wir mit Johännes am Mittag so erfolgreich waren mit zwei Kings und fünf Lincords. Und müssen feststellen, das sich innerhalb der letzten Stunden die Wasserverhältnisse enorm verändert hatten.
Beim Einwerfen der Heringsköder mit der Schlepp Methode merkten wir sehr schnell, das die Haie in der Dämmerung schon sehr aktiv waren. Und fast jeder Hai im verdrillten Vorfach bedeutet auch den Verlust von Schnur und Haken. Und wir wollen ja den King und keine Haie erbeuten. Nach dem vierten Hai köderte Horst den letzten Heringsköder an und ich fuhr die Abend-Sprung-Abschluß-Runde diesmal in das offene Wasser mit der stärksten Strömung. In Gedanken bin ich schon wieder auf der Lodge in "Erwartung auf die von Johännes darob seines Erfolges zu spendierenden Runden", als plötzlich die ABU-Multi von Horst los kreischt. Biß und Anhieb habe ich garnicht mit bekommen und der gehakte Fisch saust mit einem Affenzahn davon und hat im Nu um die hundert Meter Schnur von der Rolle gerissen. Horst steht jetzt aufrecht im schwankenden Boot und Albert holt seine Angel ein um den Drill nicht zu gefährden.

Und er macht schon mal den großen Kescher klar. Und dann ändert auch dieser King, denn um einen solchen handelt es sich bei diesem rasanten Abzug, seine Richtung, wie mittags bei Johännes, und saust auf unser Boot zu. Ich versuche rückwärts zu fahren damit der King nicht unter das Boot gerät und muß aufpassen, weil wir unmittelbar am Ufer zwischen dichte Schlingpflanzen geraten. Und Horst steht beitbeinig im Boot und hält die Angelrute so hoch wie möglich. Und ich sehe den King plötzlich vor dem Boot. Er ist sicherlich um einen Meter lang und glänzt silbern in der einbrechenden Dunkelheit. Fast unter dem Boot dreht er plötzlich wieder ab und flüchtet Richtung offenes Wasser. Und dann auch schon wieder retourn auf unser Boot zu.

Dieser Kämpfer stellt alles bisher Erlebte in den Schatten und es vergehen um die 30 Minuten bis der King abgekämpft und längstseits des Bootes liegt. Es gelingt Albert mit Schwung den King per Kescher in unser Boot zu wuchten. Genau 101 Zentimeter geballte Kraft liegen da auf dem Bootsboden und Horst sagt andächtig: Wenn der mir jetzt auch abgegangen wäre, er hätte es verdient und ich wäre nicht sauer gewesen.

Als wir in der Dunkelheit auf der Cordero Lodge ankamen, war die "Erfolgs-Party" von Johännes in vollem Gange und wir haben uns eingeklinkt.
Es wurde eine sehr lange Nacht auf der Lodge bei Doris und Reinhardt mit Juby (Yellow-Special) Gammelsdansk (Black Special) und jede Menge Dosenbier.
Denn auch angeln macht bekanntlich durstig!

F.J. Bergmann alias Juppelmann