Quelle: Heidenheimer neue Presse vom 13.05.08

Um das Aussterben einiger Arten zu verhindern, sollen sie im Pazifik geschützt werden.

Ihm droht wie dem Kabeljau die Überfischung. Einige Thunfischarten sind bereits vom Aussterben bedroht. Im Korallendreieck im südwestlichen Pazifik will der WWF besonders die Jungfische schützen.

Er schwimmt überall: In Pflanzenöl in der Dose, auf Eis in der Kühltheke oder in Weißweinsoße auf dem Teller. Vorher schwimmt er im Meer, dort allerdings immer weniger: der Thunfisch. Weil er als Steak, Sushi oder in edlem Hundefutter rund um den Globus so beliebt ist, werfen die Fischer auf den Weltmeeren ihre Netze nach allen Arten des Thunfischs aus. Die Bestände einiger Arten wie die des roten Thunfischs, auch Blauflossenthunfisch genannt, der im Mittelmeer und im Atlantik lebt, sind stark gefährdet. Bereits seit 2500 Jahren wird er im Mittelmeer gefischt, immer effektivere Fangtechniken und immer größere und mehr Fangschiffe haben die Bestände arg dezimiert. "Thunfisch ist einer der wertvoll-sten Fische", sagt Kate Newman von der Naturschutzstiftung World Wildlife Fund (WWF) auf der Konferenz der amerikanischen Wissenschaftsvereinigung AAAS in Boston. "Wertvoll" ist er nicht nur für die Ernährung der Menschen, sondern auch für die Händler, vor allem in Japan. Ein Kilogramm des schon überfischten roten Thunfischs - der teuersten Art - kostet dort umgerechnet 55 Euro, ein ausgewachsener Fisch kann über 600 Kilogramm wiegen, macht 33 000 Euro. In kleine Häppchen zerteilt, landet das rote Fleisch meist im Sushi-Restaurant. Der WWF will verhindern, dass es dem Thunfisch wie dem einst weit verbreiteten Kabeljau geht, der jahrzehntelang so stark überfischt wurde, dass er in vielen Teilen der Weltmeere rar geworden ist und sich trotz vielfältiger Schutzmaßnahmen nur langsam oder gar nicht erholt. Artenschutz - nicht nur in den Weltmeeren - ist ein globales Problem, um wirksameren Schutz bedrohter Arten geht es auch auf der UN-Naturschutzkonferenz vom 19. bis 30. Mai in Bonn. Newman und ihre Kollegen vom WWF setzen dort an, wo fünf Thunfischarten ihre Kinderstube haben: Im so genannten Korallendreieck zwischen den Philippinen, Malaysia, Indonesien, Osttimor, Papua-Neuguinea und den Salomon-Inseln im Südwest-Pazifik. In der Coral Triangle Initiative (CTI) sollen die Regierungen der sechs Anrainerstaaten mit dem WWF zusammenarbeiten, um das Gebiet mit seinem einzigartigen maritimen Leben inklusive des Thunfischs zu schützen. "An den Küsten dort leben 120 Millionen Menschen, und sie fürchten sich davor, dass der Thunfisch weniger wird. Wir brauchen Lösungen, mit denen wir die Bestände nachhaltig managen und kontrollieren können", sagt Newman. Solche Versuche gab es auch beim Kabeljau. Schutzzonen und Netze mit großen Maschen hatten jedoch nur begrenzten Erfolg, eine wirksame Kontrolle auf hoher See ist schwierig. Die Thunfischschwärme im Korallendreieck ziehen nicht nur die Küstenfischer an, die unmittelbar vom Fisch in ihren Netzen leben. "Fangflotten aus aller Welt sind dort unterwegs." Wichtig ist, dass die Anliegerstaaten mitziehen. In einigen Inselstaaten sind die Gebühren aus dem Verkauf von Fischereirechten an ausländische Fischer wichtige Einnahmequellen, auf die die Regierungen ungern verzichten. Viele der in dem Gebiet gefangenen Fische landen in Dosen vor allem in den USA und in Europa. "Die Fangschiffe werden zwar nicht mehr, aber immer größer", sagt Jose Ingles vom philippinischen WWF. Allerdings haben die Anrainer-Regierungen die eigene Bevölkerung im Nacken, die sich zum Teil von dem Fisch ernährt. Besonders die noch nicht fortpflanzungsfähigen Jungfische sollen geschützt werden, um die Bestände zu erhalten. In den Netzen der Fischer im Korallendreieck zappeln immer jüngere Fische. Laut dem Artenschutzprogramm der Weltnaturschutzunion IUCN machen im Pazifik junge Fische schon 60 Prozent der Fangmenge aus. Einige Regierungen haben den Ernst der Lage zumindest in den offiziellen Reden erkannt. "Ich werde alles tun, um das Projekt zu einem Erfolg werden zu lassen für eine gesicherte Zukunft der Menschen", sagte der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyyono. Ein Argument, das fast alle schnell verstehen, hat der WWF: Geld. "Wenn der junge Fisch erwachsen werden könnte, würde er mehr als 1,5 Milliarden Dollar (960 Millionen Euro) bringen, deutlich mehr als die 236 Millionen Dollar, der er als Jungfisch einbringt", sagt Ingles. Die Fischereiexpertin Karoline Schacht vom WWF-Deutschland ergänzt: "Statt Jungfische als Billigware in Dosen abzufüllen, könnten ausgewachsene Thunfische in Japan als teures Sushi verkauft werden."

PETER HENRICHMANN